Leila Okanovic´

geboren 1989 in Peine2014-Okanovic
2007 – 2010 Ausbildung zur Schauwerbegestalterin (Braunschweig), 2010 – 2011 Arbeit im Bereich Veranstaltungsaufbau und Dekoration, zwischendurch dreimonatiger Auslandsaufenthalt in Spanien.
Ab WS 11/12 Studium Szenografie an der Fakultät III – Medien, Information und Design der Hochschule Hannover; seit WS 12/13 dort Studium der Visuellen Kommunikation (Grafikdesign).
Ich mag gern: Gartenarbeit, Literatur, Reisen, Künstlerisches Arbeiten mit zeichnerischem Schwerpunkt, Kreatives Schreiben und Raumgestaltung, Albern sein, Katzen ärgern und mit meinen Freunden ein stürmisches Leben haben.

 

2014-Okanovic´_Deserteur

 

Der Deserteur
Inspiriert wurde ich durch das Antikriegslied des französischen Pazifisten Boris Vian, welches zur Zeit des Algerienkonflikts in den 50er Jahren entstand. Ich stieß auf die Übersetzung der Gruppe „Zupfgeigenhansel“, die internationale Volkslieder verschiedener Jahrhunderte mit sozialkritischem Inhalt covert. Das Lied hat mich berührt und so entstand meine Arbeit mit dem Titel „Der Deserteur“.
Kriege gibt es gegenwärtig zu Hauf. Ich habe die Soldaten wie Spielfiguren aneinandergereiht. Spielfiguren können sich nicht selbst bewegen, sondern werden vom Spieler ver-rückt. Sie können sich nicht selbstbemächtigen und ihre eigenen Regeln auf dem Spielbrett erfinden.
Anders ist es jedoch bei Menschen, die sich entschließen für das Militär zu arbeiten und sich somit auf einem Kriegsfeld ver-rücken lassen. Zum Desertieren gehört viel Mut und Entschlossenheit, da die Konsequenz im schlimmsten Fall der Tod sein kann.
Ich bin der Meinung, dass Skepsis und Mut die wichtigsten Dinge sind, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen und ein selbstbestimmtes Leben die Grundlage für ein gutes Leben ist. Es gibt auch hier in Deutschland genügend gute Gründe zu desertieren, obwohl den letzten beiden Generationen zum Glück ein Krieg erspart blieb. „Desertieren“ kann man aber auch in anderen Bereichen. Es fängt bei der Reflektion seines Konsum-verhaltens an und geht z.B. bei der Angst vor Arbeitslosigkeit weiter. Diese dann aber hinter sich zu bringen und sich nicht von seinem Arbeitgeber unterdrücken zu lassen, ist für mich auch eine Art zu desertieren.
Vielleicht habe ich eine große Klappe mit meiner wenigen Arbeitserfahrung, aber ich denke, es ist wichtig etwas zu tun, bevor man sich nervlich und körperlich sein langes Arbeitsleben hinweg unterdrücken lässt, um am Ende plötzlich festzustellen, dass man ängstlich geblieben und verrückt geworden ist.

„Der Deserteur“
Originaltext von Boris Vian
übersetzt und vertont von Zupfgeigenhansel
(siehe z.B.: http://www.youtube.com/watch?v=pMN41E6AsVk)

Ihr sogenannten Herrn, ich schreibe euch ein Schreiben,
lest oder lasst es bleiben und habt mich alle gern.
Ich kriege da, gebt acht, die Militärpapiere,
dass ich in’n Krieg marschiere und zwar vor Mittwochnacht.

Ich sag Euch ohne Trug: ich finde euch so öde,
der Krieg ist völlig Blöde, die Welt hat jetzt genug.
Ihr sogenannten Herrn, ich sage euch ganz offen,
die Wahl ist schon getroffen: ich werde desertier’n!

Seit ich auf Erden bin, sah ich viel Väter sterben,
sah Brüder viel verderben, sah weinen manch ein Kind;
sah Mütter voller Gram, sie konnten nicht vergessen;
sah and’re vollgefressen, wohlauf trotz Blut und Schlamm.

Sah der Gefang’nen Leid; um’s Leben nur belogen,
um ihre Frau’n betrogen, und ihre gute Zeit.
Früh wenn die Hähne krähn, dann schließ
ich meine Türen, will tote Jahre spüren und auf die Straße gehen.

Dann geht es drauf und dran auf Welle, Wind und Wegen
Der neuen Welt entgegen, ich rufe jedermann:
Lebt euer Leben aus, ringt Furcht und
Elend nieder, schießt nicht auf eure Brüder in dieser Erde Haus.

Ihr sogenannten Herrn, müsst ihr denn Blut vergießen,
so lasst das eure fließen, ihr predigt das so gern.
Sagt eurer Polizei, sie würde mich schon schaffen,
denn ich bin ohne Waffen, zu schießen steht ihr frei.